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Publiziert am 13.04.2022, von Thomas Wittkopf, Geschäftsführer TELAG

Was Hinweisgeberschutz aus Perspektive der Investoren und Versicherungen bedeutet, weshalb Whistleblowing das Herzstück des Compliance Management Systems ist und Einblicke in die Praxis. Ein Plädoyer für Whistleblowing von Dr. Martin Weimann, Dr. Burkhard Fassbach und Thomas Wittkopf.

Rückblick vom 11. März 2022
Bei der 6. DACH Compliance Tagung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften traf Theorie auf Praxis, Politik auf Forschung. Dr. Martin Weimann, Dr. Burkhard Fassbach und Thomas Wittkopf waren vor Ort und haben ihren Fokus auf die Versicherungsbranche, das Compliance Management System als Ganzes und die nötige Unternehmenskultur in der Praxis gelegt.

 

Interessen von Versicherungen und Investoren

Dass die Einhaltung von Compliance für sämtliche Unternehmen und Branchen erstrebenswert ist, scheint klar. Dr. Martin Weimann, Rechtsanwalt in Berlin und Corporate-Governance-Praktiker, spezialisiert sich als renommierter Anlegervertreter auf Investoren und Unternehmen der Versicherungsbranche.

Welche Anforderungen haben Anleger:innen an Vertragspartner und Emittenten?

  • Primär soll das Unternehmen möglichst nachhaltig geführt, Geschäftschancen wahrgenommen und das Management möglichst effizient gestaltet werden.
  • Erträge und Dividenden sollen einen zukünftigen Erfolgswert und damit eine Wertsteigerung erzielen.
  • Beim Wirtschaften sollen keine Schadenfälle geschehen; das Vermögen von Anleger:innen geschützt sein.

Beim letzten Punkt kommt die Compliance ins Spiel. Verschiedene Studien (z.B. KPMG) zur Wirtschaftskriminalität prophezeien eine zunehmende Gefährdungslage. Es stellt sich die Frage, wie die Haftung des Managements incentiviert werden kann. Wann tut es weh? Was ist angemessen? Klar ist, es muss eine Verhaltensänderung geben, damit rechtskonformes Verhalten zur ersten Handlungsoption wird.

 

Täter, Betroffene und Schadensarten

Womit müssen Unternehmen bezüglich Wirtschaftskriminalität rechnen? Gemäss einer Studie von Bitkom zur aktuellen Erkenntnislage stammt ein überwiegend grosser Teil der Tätergruppe aus dem Unternehmen und verfügt somit über Zugriff auf sensitive Informationen und Daten. Dabei sind keine Bereiche innerhalb des Unternehmens von Fällen ausgenommen, alle Abteilungen können betroffen sein. Insbesondere der Vertrieb und das Finanz- und Rechnungswesen führen die Statistik 2020 jedoch an. Einen Spitzenplatz bei den Deliktsarten belegte zuletzt die Cyberkriminalität, gefolgt von den üblichen Verdächtigen: Betrug, Korruption und Bilanzfälschung.

 

«Durch Whistleblower, die aus dem Unternehmen heraus Verstösse melden, liegt die Beweislage erstmals beim Unternehmen und die Hinweise lassen sich gemäss rechtlich gut bewerten.»

Dr. Martin Weimann

 

Vorteile von Whistleblowing

Dadurch, dass diese wichtigen Hinweise und Informationen aus dem Inneren kommen, erhalten Unternehmen Zugriff zu erstklassigen Beweismitteln auf hohem Niveau. Sie können somit früher einschreiten und Missstände beheben, bevor diese zu Skandal-Grösse wachsen. Nicht umsonst wird Whistleblowing als Kernstück der Compliance bezeichnet. Denn im Gegensatz zu grossangelegten Ermittlungen kann die interne Aufarbeitung durch Hinweisgebende für Betriebsfrieden statt Unruhe sorgen. Zeitgleich minimieren sich die Kosten in der Rechtsverfolgung.

 

Kostensenkung und Effizienzsteigerung durch Whistleblowing

Aus Sicht der Versicherer schont frühes Agieren auch D&O-Versicherungen. Denn es gibt klare Effekte und Kosteneinsparungen zu verzeichnen. Eine Studie in Japan konnte feststellen, dass 59 Prozent der Missstände in Unternehmen durch Informanten aufgedeckt werden, verglichen mit 38 Prozent durch interne Ermittlungen. Und genau hier liegt die Stärke von Whistleblowing: es entsteht eine realistische Chance, an Details und vermeintlich unwichtige Informationen zu kommen, die durch Aktenstudium nicht sichtbar werden. Whistleblowing versteht Dr. Martin Weimann als Bestandteil von Kostensenkung und Effizienzsteigerung. Denn Hinweisgebende sind für ihn definitiv keine Denunzianten, sondern in den allermeisten Fällen gute Leute, die den Erfolg des Unternehmens sichern.

 

Nachhaltige Unternehmensführung auch in der Rechtsverfolgung

Whistleblowing kann auch als Bestandteil des Reputationsmanagements verstanden werden und dabei helfen, das Compliance Management auszugestalten. Primär braucht es gemäss Dr. Martin Weimann das ausdrückliche Commitment des Managements zur Aufklärung von Missständen. Daneben benötigt es klare Kommunikation und gewährleistete Anonymität. Besonders wichtig ist es dabei, dass kein Direktkontakt zwischen dem Unternehmen und dem Whistleblower entsteht, sondern dass kompetente Ansprechpartner und Ombudspersonen zur Seite stehen. Zudem kann eine Erfolgsbeteiligung als Incentive in Aussicht gestellt werden. Das Ergebnis ist eine dynamische Sicherheit mit präventiven und repressiven Elementen.

 

«Ein anonymes Whistleblowing-System ist die Versicherung gegen Reputationsschäden.»

Dr. Martin Weimann

 

Herzstück des Compliance Management Systems

Derselben Meinung ist auch Dr. Burkhard Fassbach, der Whistleblowing als das Herzstück des Compliance Management Systems bezeichnet. In seiner Präsentation hat er Corporate Governance Aspekte im Kontext der EU-Whistleblowing-Richtlinie beleuchtet. Für ihn spielt ebenfalls Kultur eine zentrale Rolle, weshalb Aufsichtsräte in den Fokus rücken, Stichwort «tone from the top». Denn durch das häufig vorherrschende Klima der Angst in Unternehmen besteht die Gefahr, dass sich potenzielle Whistleblower an die Öffentlichkeit oder die Behörden wenden, statt interne Systeme zu nutzen. Es entsteht ein Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anlaufstellen. Damit sich Unternehmen besser positionieren und von internen Hinweisen profitieren können, braucht es Anonymität. Vertraulichkeit reicht hier nicht aus. Als Best Practice haben sich anonyme, idealerweise digitale Kanäle bewährt. Nur so können Unternehmen früh agieren und Missständen entgegenwirken. Es hat sich gezeigt, dass für Whistleblower die Unabhängigkeit und Verlässlichkeit des Meldungsadressaten eine entscheidende Rolle spielen. Denn ohne Vertrauen sehen Whistleblower von einer Meldungserstellung ab oder wenden sich gar an die Öffentlichkeit. Dr. Burkhard Fassbach zitiert den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank Alfred Herrhausen: «Wir müssen das, was wir denken, auch sagen. Wir müssen das, was wir sagen, auch tun. Und wir müssen das, was wir tun, dann auch sein.»

 

«Der Aufsichtsrat sollte einen unabhängigen Hinweisgeberkanal einrichten, den Vorstand unverzüglich zu Vorwürfen anhören und eine Erklärung der erhobenen Vorwürfe durchführen und dokumentieren.»

Dr. Burkhard Fassbach

 

TELAG kann auf langjährige Erfahrung zurückblicken

Das Vorurteil, dass die Schweiz bei der Implementation von Meldesystemen hinterherhinkt, kann Thomas Wittkopf, Geschäftsführer der TELAG nicht unterschreiben. Das Unternehmen hat bereits 2004 erste Erfahrungen mit Whistleblowing-Systemen gemacht und den Service «Whistleblow» unter anderem für Finanzdienstleister initiiert. TELAG war der Schutz der Hinweisgebenden mittels eines anonymen Hinweisgebersystems seit jeher ein Anliegen. Inzwischen wurde das Hinweisgebersystem in die Zukunft geführt, der Wandel von der Floppy Disk zum digitalen Hinweisgebersystem ist vollzogen und TELAG erfüllt mit «whistleTAG» die Anforderungen der EU-Whistleblower Richtlinie.

 

Wie Unternehmen den Schritt zur veränderten Unternehmenskultur gehen

Die Implementation eines anonymen Hinweisgebersystems ermöglicht es dem Management, das Heft des Handels und damit die Informationshoheit zu behalten. Gemäss dem Report of the Nations steigt in Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden auf das Thema sensibilisieren die Rücklaufquote an Meldungen um 56%. Durch transparente Kommunikation steigern Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit, wodurch die Attraktivität für Investoren und Anleger steigt. Für Thomas Wittkopf geht es nicht darum, dass keine Fehler passieren dürfen. Viel wichtiger ist, wann passiert der Fehler, wann wird er aufgedeckt, wie wird er geahndet, wie geht man mit dem Fehler um? Das schafft Vertrauen und ein effizienteres Unternehmen, das wiederum die Arbeitskräfte der Zukunft anzieht, die eine sinnstiftende Arbeit suchen.

 

Der nächste whistleTALK findet am 27. April 2022 von 11.55-12.25 Uhr statt. Dann geht es um das spannende Thema Hinweisgeberschutz im Kontext HR, Employer Branding und Reputations-Management. Hier können Sie sich kostenfrei zum nächsten whistleTALK anmelden.

 

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